English

#MoTcast

motcast #66

Das Ende der Ausreden - Aktivismus statt Aktionismus (066)

Raul Krauthausen
Special Guest Raul Krauthausen

Download (Episode 066)

Raul Krauthausen

Das Ende der Ausreden - Aktivismus statt Aktionismus (066)

Photo ©: Andi Weiland 2014

 

"Wenn man gemeinsam an etwas arbeitet, kann man Großes schaffen."

 

Über Raul Krauthausen

Raúl Aguayo-Krauthausen ist 1980 in Peru geboren und lebt heute in Berlin. Sein zweites Zuhause ist das Netz. Dort twittert, bloggt und postet er über die Dinge, die ihn bewegen. Mal humorvoll, mal ernst und mal mit spitzer Zunge.
Er studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und Design Thinking. Nach einigen Abstechern in der Werbebranche arbeitete er für vier Jahre bei Radio Fritz vom rbb.
Gemeinsam mit weiteren Mitstreiter*innen gründete er mit SOZIALHELDEN e.V. und AbilityWatch e.V. zwei gemeinnützige Vereine und setzt sich dort als Aktivist, Redner und Berater für Inklusion und Barrierefreiheit ein.

2013 erhielt er für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande und wurde 2018 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Und unter dem Titel „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“ erschien Anfang 2014 seine Autobiographie.

Für die abm moderiert er in Zusammenarbeit mit Suse Bauer (Redaktion) seit 2015 mit KRAUTHAUSEN – face to face eine eigene regelmäßige Talksendung zu den Themen Kultur und Inklusion. Gemeinsam entwickeln und arbeiten sie seitdem an Web-Videoproduktionen u.a. für ze.tt, das ZDF, den Sozialverband Deutschland und die Bundeszentrale für politische Bildung.

 

Statements und Zitate aus der Sendung

"Ich habe versucht, mit meiner Medienerfahrung nicht nur zu unterhalten, sondern Gutes zu tun und die Welt zu verbessern."

"Als Behinderte können wir einiges zum Thema Behinderung beitragen, was Menschen ohne Behinderung vielleicht nicht können."

"Ich tue mich schwer mit dem Begriff 'Entrepreneurship', weil ich mich gar nicht als Unternehmer empfinde."

"Was mich am Design Thinking begeistert hat war, wie man herausfindet was Menschen brauchen. Das Problem am Design Thinking ist aber auch, dass man eben nur Ideen generiert, die am Ende in einer Powerpoint landen - und die dann niemand umsetzt."

"Bei den Sozialhelden sind wir kein Think Tank, sondern ein Do Tank."

"Wheelmap ist kein Business Case, sondern zunächst erstmal ein großer Bedarf."

 

Kübras Vlog: Wheelmap-Tour mit Raul Krauthausen

 

"Wir wollten mit der Wheelmap nicht den Powerpoint-Tot sterben."

"Löse nicht die Probleme, die du glaubst, die andere haben."

"Ich habe jahrelang in Werbeagenturen für große Marken Internetkonzepte mitgestaltet - und am Ende ging es immer darum, Gewinnspiele zu machen um E-Mail-Adressen für Direktmarketing einzusammeln - das fand ich immer langweilig. Das Internet ist doch eigentlich so viel mehr."

 
Photo ©: Christian Mayer / bwhw 2014
 

"Software ist wie ein Garten - sie ist nie fertig und du muss immer Unkraut jähten, düngen und ernten."

"Wenn es nicht wegen des Geldes, der Karriere oder des Ruhmes wegen ist, können wir uns auch sozial engagieren."

"Wir waren immer auf der Suche nach einer Organisation, die so cool war wie Greenpeace und sich sozial engagiert."

"Für das Mitmachen bei Ärzte ohne Grenzen fühlten wir uns zu dumm. Also haben wir vor unserer eigenen Haustür geschaut."

"Wir haben damals für das Projekt 'Pfandtastisch helfen' ein Geschäftsmodell entwickelt, weil wir dachten, wir können das nicht ewig ehrenamtlich machen."

"Ich glaube nicht, dass man soziale Probleme mit Unternehmertum lösen kann, weil letztlich viele Gesetze zu schwach sind und das Unternehmertum den Sozialstaat aus der Verantwortung nimmt für Gerechtigkeit zu sorgen."

"Wir brauchen in unseren Projekten oft Geschäftsmodelle, um die Projekte fortführen zu können - nicht um Gewinn zu machen."

 
Unser #MoTcast-Interview im Koyote in Berlin-Kreuzberg
 

"Unternehmerisch bedeutet für mich, ein Problem agil, kreativ und innovativ zu bearbeiten."

"Ich glaube nicht, dass man mit Wirtschaft Probleme lösen kann, sondern eher welche kreiiert."

"Da privat initiierte Sozialprojekte nicht Teil des Staates sind, können sie sich nicht über Steuern finanzieren. Also bleiben nur die Wege über Spenden oder ein Geschäftsmodell, dass eine Win-Win-Situation braucht."

"Ich versuche regelmäßig die Frage zu stellen, wo kommt das Problem eigentlich her, an dem wir die ganze Zeit rumdoktern?"

"Die USA sind was Rollstuhlgerechtigkeit angeht, Jahrzehnte voraus, weil es die gesetzliche Auflage für die Privatwirtschaft gibt - inkl. Möglichkeit zur Klage."

"Vielleicht kommen wir mit Freiwilligkeit gar nicht mehr weiter. Vielleicht müssen wir alle Aktivisten sein und uns irgendwo anketten, damit etwas passiert."

 

Die Biografie von Raul Krauthausen mit einem Vorwort von Roger Willemsen gibt's überall im einschlägigen Buchhandel und in allen Formaten. Eine Übersicht findet ihr hier.

 

"Unser Bildungssystem besitzt für viele Gruppen keine Willkommenskultur. Das müsste man eigentlich verändern, anstatt dass jede Minderheit in Konkurrenz zueinander versucht, für sich selber etwas zu erreichen."

"Ich glaube, dass ohne Verpflichtung nichts passiert. In vielen Bereichen gibt es sie und sie funktionieren: Brandschutz, Rauchverbot etc."

"Oft fehlt den Menschen die Einsicht. Oft passiert nichts, weil weiße, heterosexuelle, nichtbehinderte Cis-Männer an den Reglern der Macht entscheiden, uns diese mit dem Merkmal Vielfalt nicht viel zu tun haben. Das macht Männer nicht automatisch zu Tätern, aber es macht sie zu Nichtbetroffenen."

"Diversity und Inklusion ist anstrengend und Arbeit und gibt es nicht for free. Aber Umweltschutz und Brandschutz sind auch anstrengend."

"Wir können Gelder in Bewegung setzen, wenn wir wollen. Aber der Wille (zur Gerechtigkeit) ist nicht da."

"Das Beispiel Atomausstieg macht mir Hoffnung. Über 30 Jahre haben Aktivisten gekämpft und damit Bewusstsein verändert - so weit, dass am Ende selbst eine konsevative Kanzlerin nicht mehr anders konnte. Und nun legen wir Stromkabel durch ganz Deutschland und bewegen die notwendigen Gelder."

"Helden glauben an eine bessere Zeit nach der Tat (These Philip Zimbardo)."

"Helden widerstehen der Versuchung, ihre eigene Tatenlosigkeit zu rechtfertigen (These Philip Zimbardo). Das ist ein so schlauer Satz."

"Letztlich muss uns einfach nur klar sein, dass - wenn wir nur zuschauen - es nur schlimmer wird."

"Es geht nicht darum, eine egoistische Form des Helden zu werden, sondern darum, an eine bessere Welt danach zu glauben. Das versuche ich mir immer wieder bewusst zu machen."

 

"Ich glaube, dass wir mittlerweile so Technologie-gläubig geworden sind, dass wir gar nicht mehr sehen, dass Technologie an sich erstmal neutral ist.""

 

Shownotes and Links

 

Mein Dank gilt Raul Krauthausen für seine Zeit und Inspiration sowie Frank Sonder für die perfekte Guidance, Logistiksupport und den Mauerlauf in Berlin.