English

#MoTcast

motcast #52

Transforming the dark side - Die Tabakindustrie im Wandel

Claudia Oeking
Special Guest Claudia Oeking

Download (Episode 052)

Special Guest: Claudia Oeking

Für viele zählt die Tabakindustrie zur dunklen Seite - zu viele Nebenwirkungen, Lobby-Nebelkerzen und undurchsichtige Geschäfte. Doch auch diese Branche steht vor einer radikalen Transformation. #MoTcast Gastgeber Ingo Stoll beleuchtet die Herausforderungen und Besonderheiten der "Blackbox Tabakindustrie" im Talk mit Special Guest Claudia Oeking - verantwortlich für Corporate Relation des Weltmarktführers Philip Morris, der das Rauchen mit weniger schädlichen Produkten selbst-disruptieren will.

„Wir befinden uns in einer radikalen Transformation. Wir haben nicht nur neue Wettbewerber, wir haben auch ganz neue Produkte und neue Formen des digitalen Marketing - alles parallel.“
[Claudia Oeking]

 

Claudia Oeking - Corporate Relations bei Philip Morris International

 

Es wird nicht mehr geraucht, sondern ... 

es wird gedampft, geheatet - oder wenn es nach Philip Morris und seinem neuen Hightech Nikotinprodukt IQOS geht, dann wird in Zukunft mehr ... ein richtiger Begriff für das rauchfreie Konsumieren der Tabaksticks existiert noch nicht, aber das ist am Ende auch nebensächlich. 

Viel interessanter ist das, was sich in einer der ältesten Branchen der Welt tut. Einerseits prognostiziert die WHO auch für das Jahr 2025 immer noch über 1 Milliarde Raucher weltweit (und Raucher bedeutet hier: Konsumenten der schnöden alten Kippen mit all ihrem Rauch, ihren Nebenwirkungen und ihren Schadstoffen beim Verbrennen des Tabaks bei ca. 800 Grad) - andererseits ist auch diese Branche nicht frei von Transformation und Disruption. Interessanterweise läuft diese massiv regulierte Branche nach ganz anderen Gesetzmäßigkeiten ab, als wir dieses beispielsweise in der Automobilbranche, Medienbranche oder Touristik beobachten können. 

Rauchen ist und bleibt ein extrem streitbares Thema. Dabei geht es weniger um die Tatsache, dass Rauchen gesundheitsgefährdent ist. Diese Tatsache hat die Tabaklobby lange mit zweifelhaften Studien und elenden Dementis bestritten - mittlerweile ist es ein anerkannter Fakt. Vielmehr geht es um die Frage, wie insgesamt in der Zukunft mit dem schädlichen Konsum von Zigaretten umgegangen werden soll. Aus Sicht von Philip Morris ist der Konzern mit einem schrumpfenden Markt konfrontiert, der allerdings noch auf Jahre hinaus satte Margen abwerfen wird. Trotzdem haben die massive Regulierung, die Antiraucher-Kampagnen mit ihren Schockbildern und das Aufkommen neuer Wettbewerber aus dem Bereich der E-Zigaretten ihre Spuren hinterlassen.

Die Zeichen stehen auf Anpassung an veränderte Perspektiven und auf Selbst-Disruption - so zumindest präsentiert Philip Morris seine neuen Hightech-Produkte, von denen IQOS nach seiner Markteinführung in Japan nun die Welt erobern soll. Der Konzern sieht hier die Möglichkeit für einen "dritten Weg" neben der "quit or die"-Politik der Gesundheitsbehörden. Wenn es eine Milliarde Menschen nicht schaffen (oder wollen) mit dem Rauchen klassischer Zigaretten augzuhören, kann man dann nicht für einen Weg sorgen, der weniger gesundheitsschädlich ist? Den tatsächlichen Beweis dafür, dass die neuen Produkte mit Tabaksticks und der Tabakerhitzung (statt Tabakverbrennung) weniger schädlich sind, muss der Tabakkonzern freilich noch erbringen. Insbesondere hier stellen sich allerdings viele spannende Fragen, wie dieses glaubwürdig gelingen kann, denn mit eigenen Studien wird die Glaubwürdigkeit aufgrund der Praxis der Vergangenheit immer und zurecht angezweifelt werden. Für unabhängige, externe Testverfahren gibt es derzeit jedoch keine geregelten Verfahrensweisen.

 

Promotion am Flughafen Zürich für IQOS, inkl. Produktvorführung - ein langer, neuer Weg bei 1 Milliarde Rauchern  

Diese Aspekte sind nur einige wenige, die einen Blick in die "dunkle Seite der Transformation" interessant machen. Auch die neuen Erfahrungen mit einem Hightech-Produkt wie IQOS sind lohnenswert, denn beim Erschaffer des Malboro-Man gab es bislang weder die Qualifikationen in der Produktentwicklung, noch die geeigneten Instrumente im Vertrieb zur Schulung von Vertriebspartnern oder Produktvorführung mit Endkunden. Reichlich Neuland also für eine erfolgsverwöhnte Branche im Wandel.

 

Zitate und Statements aus der Sendung:

„Was für ein Wahnsinn in diesem Markt!“ 
[Claudia Oeking]

„Es reicht nicht, nur mit der Schädlichkeit des Produktes klarzukommen. Wir forschen, um das Grundproblem aufzulösen: Wie können wir der Schädlichkeit den Gar ausmachen.“ 
[Claudia Oeking]

„Der Umgang mit Zigaretten ist verantwortungsvoller geworden. Das hat bei uns zu einer Transformation geführt."
[Claudia Oeking]

„Ja, Zigaretten sind wahnsinnig schädlich, die können tödlich sein und die machen süchtig.“
[Claudia Oeking]

„IQOS musste mit der Anzahl der Puffs, der Haptik und der Nikotinaufnahmekurve die Gewohnheiten des herkömmlichen Zigarettenrauchens nachempfinden - und darüber hinaus völlig neue Aspekte berücksichtigen: Hightech-Produkte, Erklärungsbedürftigkeit, Geräterücknahmen, Zubehör und Bezugspunkte in der Testphase.“
[Claudia Oeking]

„Die steuerliche Richtlinie für Tabakprodukte ist in die Jahre gekommen. Es fehlen aktuell die Möglichkeiten, E-Zigaretten oder Tabaksticks (Tabakverdampfungsprodukte wie IQOS) über die Mehrwertsteuer hinaus zu besteuern.“
[Claudia Oeking]

„Die Tabakindustrie muss Vertrauen zurückgewinnen, aber das ist ein hehres Ziel. Wir können versuchen, transparent und offen zu sein, aber die Skepsis ist da.“
[Claudia Oeking]

„Am Ende müssen Regulierungsbehörden Verfahren entwickeln, die unsere Produkte genau so untersuchen und bewerten, wie die in der Arzneimittelindustrie.“
[Claudia Oeking]

 

Shownotes und Links

 

Vielen Dank an Claudia Oeking für die Zeit, die offenen Worte und den Abstecher in die Räumlichkeiten von milani in Zürich - mit Blick auf den Zürichsee :)